Buch: Von wegen nix zu machen...

Werkzeugkiste für Weltverbesserer

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Kölner Stadt-Anzeiger, 16.9.2011
Werkzeugkiste für Weltverbesserer
Von Helmut Frangenberg

Neue Ideen für mehr Engagement bieten Kabarettist Jürgen Becker, Pfarrer Franz Meurer und Journalist Martin Stankowski in ihrer überarbeiteten Fassung ihres Erfolgbuches „Von wegen nichts zu machen“. Jürgen Becker, Franz Meurer und Martin Stankowski stellen in der Hauptschule Borsigstraße ihr neues Buch vor.

KÖLN - Sie geben nicht auf im Kampf für eine bessere Welt. Kabarettist Jürgen Becker, Pfarrer Franz Meurer und Journalist Martin Stankowski haben ihre „Werkzeugkiste für Weltverbesserer“ neu gepackt: Ihr Bestseller „Von wegen nix zu machen“, der bereits 40 000 mal verkauft wurde, kommt in einer überarbeiteten Form mit vielen neuen Ideen auf den Markt.
Kann man mit bürgerschaftlichem Engagement die Welt verbessern? Nach dem ersten Buch waren das vor allem Becker und Stankowski gefragt worden, die im Gegensatz zu CDU-Mitglied Meurer aus der linken Ecke kommen und in wilderen Jahren auf den radikalen Wandel der politischen Verhältnisse gesetzt haben dürften. Im neuen Buch stellen sie sich dieser Kritik – nicht nur beim im Nachspann dokumentierten Gespräch mit Heiner Geißler.

„Das Buch ist insgesamt politischer geworden“, sagt Meurer. In den vergangenen Jahren sei deutlicher geworden, dass man nicht nur mit dem ehrenamtlichen Engagement Einzelner weiterkomme. „Es geht um Vernetzung und Solidarität.“

So nehmen die Erfahrungen, die Becker und Stankowski in der Ehrenfelder Hauptschule in der Borsigstraße gemacht haben, einen großen Platz im Buch ein. Die drei Autoren werben für die „Strickguerilla“, die kritischen Aktionäre, saubere Geldanlage, grünen Strom und Engagement in Genossenschaften. Viele Vorschläge zum Weltverbessern stammen aus der Praxis in Höhenberg und Vingst, wo Meurer als Pfarrer arbeitet. Eines der neuen Erfolgprojekte sei ein Fahrradkursus für türkische Frauen. „Natürlich muss man denen erst einmal ein Fahrrad schenken.“ Mancher Vorschlag wird mit der aktuellen Diskussion über die Zukunft des Sozialstaates in Verbindung gebracht. So sind zwar die umstrittenen Lebensmitteltafeln im Buch geblieben, aber „nur als Auslaufmodell“, so Stankowski.

Bürgerschaftliches Engagement könne nicht der Reparaturbetrieb für den sparenden Sozialstaat werden. Manchmal verlange die Welt zwecks Verbesserung auch mal „einen gepflegten Wutanfall“, Wie man den effektvoll platziert, wird am Beispiel eines Supermarkts erläutert, der rechtsextreme Zeitungen verkauft.

Das von Martin Stankowskis Bruder Jochen ungewöhnlich gestaltete kleine Buch regt an, macht Mut und Spaß zugleich. „Man muss praktische Dinge machen. Am besten gelingen sie, wenn man dabei auch noch lacht“, so Becker. Meurer wirbt: „Wer nix für andere tut, tut auch nichts für sich.“

Becker, Meurer, Stankowski: Von wegen nichts zu machen, Verlag: Kiwi, 210 Seiten, 8.99 Euro
http://www.kiwi-verlag.de/das-programm/einzeltitel/?isbn=978-3-462-04360-0